Rechte und Lizenzen Julia Balogh

Ich bin verantwortlich für alle Inlands- und Auslandsrechte für die Verlage Annette Betz und Ueberreuter (Kinder- und Jugendbuch in Berlin), G&G (Kinder- und Jugendbuch sowie für Carl Ueberreuter Sachbuch in Wien. Dabei biete ich alle Nebenrechte an, die dem Verlag im Autorenvertrag eingeräumt wurden. Die Inlandsrechte sind alle deutschsprachigen Lizenzvergaben, wie zum Beispiel Taschenbuch, Hörbuch, Aufführungsrechte, Abdrucke oder aber Filmrechte (leider seltener). Die Auslandsrechte sind Übersetzungen in alle Sprachen der Welt. Meine Position ist das letzte Glied der Kette bei der Buchproduktion. Für mich kann es zum Beispiel sogar noch interessant sein, bereits vergriffene Titel anzubieten. Die meisten Kolleginnen und Kollegen im Bereich Rechte & Lizenzen eines Verlags haben eine geisteswissenschaftliche Ausbildung (Germanistik oder andere Philologien). Nach meinen Kenntnissen haben weniger einen juristischen Hintergrund. Man sollte sich aber vor allem im Bereich des Urheber- und Medienrechts auskennen und Verhandlungsgeschick mitbringen. Wichtig sind die Pflege eines großen Netzwerks zu den Lizenzpartnern, die Freude an nationalen und internationalen Messen und neben Englisch weitere Fremdsprachenkenntnisse. Ich habe Hungarologie (Ungarische Philologie) und Italienisch (Romanistik) studiert und mit dem Magister abgeschlossen. Anschließend habe ich Praktika in Berliner Verlagen und ein Volontariat bei der Literaturagentur Mohrbooks absolviert. Dabei habe ich meine Leidenschaft für die Arbeit einer Agentin entdeckt. Als Ueberreuter Anfang 2012 von Wien nach Berlin zog, habe ich mich für den Bereich Rechte & Lizenzen beworben und im Mai 2013 dort angefangen. Davor betreute ich als freie Literaturagentin in meiner eigenen Agentur druckfertig deutsche, internationale, vor allem ungarische Autoren und Verlage im In- und Ausland. An einem typischen Arbeitstag gönne ich mir zunächst einen Kaffee und checke die Mails. Freue mich jedes Mal riesig über Lizenzangebote und weniger über Absagen zu Prüftiteln von Lizenzpartnern. Bei einem Lizenzangebot informiere ich alle anderen Lizenzpartner, die an demselben Titel interessiert waren, und hoffe auf ein weiteres Angebot. Trifft eines ein, macht die Verhandlung richtig Spaß. Dabei entscheidet nicht immer das höchste/beste Angebot darüber, wer den Titel bekommt. Wichtig ist auch, zu welchem Lizenzverlag dieser Titel am besten passt oder aber welchen Verlag die Urheber vorziehen. Nach einer gelungenen Verhandlung, dem Abschluss, bereite ich den Lizenzvertrag vor. Zwei Mal im Jahr erstelle ich einen Foreign Rights Catalogue, unser Verlagsprogramm auf Englisch. Darin sind nur die Titel enthalten, die im Original bei uns erschienen, also nicht übersetzt sind. An die Lizenzpartner im Hörbuchbereich sende ich zwei Mal im Jahr unsere Titelliste für das zukünftige Programm, damit bei einer Audioumsetzung Buch und Hörbuch parallel erscheinen können. Die beiden wichtigsten Messen im Jahr sind Ende März die Kinderbuchmesse in Bologna und im Oktober die Frankfurter Buchmesse. Dafür muss ich mich jeweils 2 bis 3 Monate vorbereiten (Termine vereinbaren, Foreign-Rights-Listen verschicken) und die Nachbereitung der Messen kostet auch ca. einen Monat (da ich vor allem alle angeforderten Titel verschicken muss). Meine Arbeitszeit pro Buch ist unterschiedlich. Ich muss alle Titel aus unseren Programmen lesen, das geht bei einem Bilderbuch schneller als bei einem 400-seitigen Jugendbuch. Für die Bilderbücher mache ich häufig eine Rohübersetzung ins Englische, so kann ich sie besser anbieten. Wichtig sind Mailings, in denen ich die Titel den Lizenzpartnern anpreise. Leben kann ich von meiner Arbeit schon, reich werde ich sicher nicht. Dafür mache ich den ganzen Tag etwas, was mir meistens gefällt. Ich mag die Vielseitigkeit an meinem Job. Mit den unterschiedlichen Lizenzpartnern aus der ganzen Welt Kontakt zu haben und sie zwei Mal im Jahr auf den Messen wiederzusehen. Wenn fünf chinesische Verleger versuchen, sich mit ihren Rollkoffern in meine Lizenzkabine zu quetschen. Toll sind Überraschungsmomente, z. B. wenn ich auf einmal ein Angebot zu einem Titel bekomme, den ich vor Jahren präsentiert habe. Es ist immer ein wunderbares Gefühl, z. B. eine chinesische, litauische oder spanische Ausgabe in der Hand zu halten. Und wenn ein Titel verfilmt wird, knallen die Champagnerkorken. Nicht so sehr mag ich das ganze Administrative, wie Rechnungen stellen etc., allerdings ist das auch manchmal ganz entspannend. Die Digitalisierung von Büchern war schon vor zehn Jahren ein großes Thema. Allerdings hat sich im Vergleich zum sonstigen technischen Fortschritt seitdem im Bereich Buch nicht so viel verändert. Es gibt zwar mehr E-Books, aber davon verkaufen wir in den meisten Fällen weniger als von gedruckten Hardcover oder Taschenbüchern. Im Bilder- und Kinderbuchbereich ist es auch meistens attraktiver, aus dem Buch vorzulesen. Die Produktion, Vermarktung und Popularität von animierten Bilderbüchern ist noch relativ am Anfang. Das wird sich in den nächsten Jahren vermutlich stark weiterentwickeln. Damit werde ich sicher auch mehr Lizenzen (Audio, Animation etc.) in diesen Bereich vergeben. Julia Balogh, Leiterin der Rechte & Lizenzen für die Verlage Ueberreuter mit Annette Betz, G&G mit Nilpferd und Carl Ueberreuter Sachbuch (Unternehmensgruppe Glöckler). Kurzvita: Julia Balogh, geboren 1978 in Hamburg, studierte Hungarologie und Romanistik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Anschließend absolvierte sie Praktika in Berliner Verlagen und ein Volontariat bei der Agentur Mohrbooks Berlin. Sie war von 2008 bis 2013 selbstständig als Agentin mit ihrer eigenen Agentur druckfertig. Seit Mai 2013 verantwortet sie alle Rechte & Lizenzen bei Ueberreuter und seit 2014 auch für G&G. Hinweis: Foto: (c) Barbara Dietl.

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