Redaktion Sachbuch Meiken Endruweit

Komplexe Themen, Texte von mehreren Autorinnen und Autoren, Bilder und Grafiken: Bevor ein Sachbuch entsteht, liegt ein ganzer Stapel unterschiedlichen Materials als Dateien in meinem Computer. Daraus entsteht mit meiner Expertise und Unterstützung ein Buch. Als freie Lektorin erhalte ich die Projekte, wenn Autorinnen und Autoren, das Thema und die Eckdaten (z. B. Seitenzahl und Drucktermin) feststehen. Die Arbeit unterscheidet sich von Projekt zu Projekt, ein wissenschaftlicher Konferenzband ist anders als ein Buch über Europas Kulturgeschichte. Aber der Kontakt zu den Autorinnen und Autoren steht immer im Vordergrund: Manchmal muss ich sie zum Weiter- oder Umschreiben bringen, manchmal soll etwas ganz anders werden, Termine müssen eingehalten werden. Um das zu erreichen, muss die Kommunikation professionell und bestimmt und zugleich mitfühlend sein, in jedem Satz steckt ja viel Arbeit. Beim Lektorat des Textes achte ich darauf, dass er allgemeinverständlich geschrieben ist und keine Sprünge oder Wiederholungen enthält. Wenn ich etwas verändere, bespreche ich es mit den Autorinnen und Autoren. Meistens stecken sie so tief in ihrem Buch, dass sie froh sind, jemanden zu haben, die einen Überblick hat. Ich entscheide, was in ein Kapitel kommt oder in ein anderes, mache Vorschläge für Abbildungen, besorge diese manchmal auch, und ich kürze. Viel. Meistens sogar sehr viel. Ich mache das Buch dann so, wie ich es gerne lesen würde. Normalerweise schaffe ich es, sowohl die Autorinnen und Autoren als auch den Verlag zu überzeugen. Schön ist es, dann das Belegexemplar in der Hand zu halten und von Autor oder Autorin zu hören, dass es toll geworden ist. Während meines Studiums (Philosophie, AVL, Gender Studies und Französisch) habe ich ein Praktikum in einem freien Lektorat gemacht. Am meisten hat mich damals die Recherche fasziniert und das ist bis heute so geblieben. Ich kontrolliere sehr viele Angaben – manchmal stelle ich fest, dass zum Beispiel viele Lebensdaten im Buch nicht stimmen, dann kontrolliere ich sie alle noch mal. Meine Arbeitsstunden schreibe ich auf, auch wenn ich Seitenpreise vereinbare. So kann ich sehen, ob ein Projekt viel aufwändiger wird als geplant, und verhandele dann auf Basis meiner Aufzeichnungen nach. Die Preise sind manchmal erschreckend niedrig und es findet sich immer jemand, der oder die es noch günstiger macht. Damit die finanzielle Situation der Freien in der Branche besser wird, engagiere ich mich in verschiedenen Vereinen. Zum Arbeiten gehe ich in mein kleines Einzelbüro in einer Bürogemeinschaft. Ich brauche Ruhe, finde aber den Austausch mit Leuten wichtig, die ähnlich arbeiten wie ich.
Am schönsten finde ich es, wenn aus dem Stapel Material etwas schön Geformtes wird, wenn es plötzlich Sinn macht, das Kapitel, oder wenn die eine Zeichnung da ist, die alles anschaulich werden lässt. Ich mag den Austausch mit den unterschiedlichen Menschen, mit denen ich in Kontakt komme, wie auch die verschiedenen Themen und neuen Einsichten. Das ist auch, glaube ich, die Faszination, die von Büchern ausgeht: einen Einblick in ein ganz anderes Denken zu erhalten, etwas von der Welt, in denen andere lebten oder leben, zu erfahren.

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