Verlegerin Zoë Beck

Mein Job in einem Satz: schöne Bücher verlegen. Dabei wählen wir Texte aus, die uns gefallen. Dann kümmern wir uns darum, dass sie übersetzt werden, aus dem Englischen übersetze ich oft selbst. Wir beantragen in manchen Fällen auch Fördergelder. Bei deutschsprachigen Texten fällt dieser Teil natürlich weg. Es folgen das Lektorat und die Textredaktion (auch bei Übersetzungen sehr wichtig), das Setzen und die Korrektur. Wir lassen Coverentwürfe anfertigen. Mit unserem Hersteller besprechen wir, wie das Buch am Ende aussehen soll, wo es gedruckt wird. Die E-Books stellen wir selbst her und sorgen dafür, dass sie in allen Shops verfügbar sind. Wir schreiben Klappentexte und kurze Verkaufstexte für die Vorschau. Wir kündigen unsere Titel breitflächig an, briefen unsere Verlagsvertretungen, arbeiten in manchen Fällen auch mit einer PR-Agentur zusammen, verschicken aber auch selbst Leseexemplare an Presse und Buchhandel, verschicken unsere Vorschau, schalten Anzeigen, gehen auf Messen und zu Fortbildungsseminaren, geben selbst Seminare, halten Vorträge … Und derweil planen wir schon das nächste Programm. Was wiederum heißt: Viele Texte lesen, Bestenlisten aus dem Ausland durchforsten, mit Agenturen zusammenarbeiten …

Bei der Entstehung eines Buchs bin ich in alle Punkte eingebunden. Da wir ein kleiner Verlag sind, den ich zusammen mit Jan Karsten leite, machen wir vieles selbst. Wir verlassen uns natürlich auf Expert*innen in bestimmten Bereichen und geben Aufgaben nach außen, aber die Entscheidungen liegen letztlich bei uns.

Für diesen Job braucht man vor allem Liebe zur Literatur. Man muss nicht zwingend Literaturwissenschaften studiert haben. Wichtig ist ein Gespür dafür, was in einem Text steckt. Gerade kleine Verlage können sich nur durchsetzen, wenn sie eine Nische exzellent bedienen oder für eine gewisse Qualität stehen, wenn sie eben selbst auch eine Marke sind und etwas repräsentieren. Man braucht ein Gefühl für den Buchmarkt, für die Leserschaft und den Buchhandel. Eine betriebswirtschaftliche Ausbildung ist nicht notwendig, Kenntnisse in diesem Bereich helfen aber enorm. Ich habe in den letzten Jahren eine Menge dazugelernt und mich weitergebildet: zu betriebswirtschaftlichen Aspekten, zu Abläufen im Vertrieb, worauf man bei der Herstellung achten muss. Die einzelnen Stationen in einem (größeren) Verlag zu kennen, ist sehr hilfreich. Ich bin froh, einige Verlage, aber auch andere Betriebe in den letzten zwanzig Jahren von innen kennengelernt zu haben, teils weil ich dort gearbeitet habe, teils als überaus neugierige Autorin, die alles genau wissen wollte.

Zunächst habe ich Literaturwissenschaften studiert, u. a. am Theater und beim Film gearbeitet, Praktika im Verlagsbereich gemacht und anschließend auch für Verlage gearbeitet.
Verlegerin zu sein, wäre mir vor über fünf Jahren gar nicht in den Sinn gekommen. Aber dann sprach mich Jan Karsten an, ob ich nicht Lust dazu hätte, mit ihm zusammen einen Verlag zu gründen. Ich bin also Verlegerin, weil ich mich dafür entschieden habe. Vorher und auch jetzt noch habe ich selbst Bücher geschrieben und übersetzt.

Einen typischen Arbeitstag habe ich gar nicht. Manchmal bin ich viel unterwegs, manchmal sitze ich tagelang fast rund um die Uhr am Schreibtisch.

Die Arbeitszeit, die ich für ein Buch aufwende, ist sehr unterschiedlich. Wenn ich ein Buch selbst übersetze, ist das natürlich wesentlich mehr Arbeitszeit (mehrere Wochen zusätzlich), ein Lektorat oder eine Textredaktion nehmen auch viele Tage in Anspruch. Alles Weitere ist dann im Vorfeld die Arbeit an Cover, Paratexten, PR-Strategien, Briefen der Verlagsvertreter*innen usw., und wenn das Buch erschienen ist: Belegexemplare versenden, zusätzliche Buchhandlungen darauf aufmerksam machen, mit denen man persönlich verbunden ist oder die von den Vertreter*innen nicht besucht werden, Lesungen organisieren etc. Ich kann das gar nicht in Stunden oder Tagen bemessen.

Vom Büchermachen kann ich gut leben, da ich mehrere Buchjobs habe. Vom Verlegen allein noch nicht. Es macht Spaß, es ist sehr viel Arbeit, natürlich ist es auch immer mal frustrierend, weil selbstverständlich nicht überall erfreut die Türen aufgehen, wenn wir mit unseren Büchern kommen. Buchhandlungen warten nicht unbedingt darauf, schon wieder einen neuen Verlag kennenzulernen. Da wird man schon mal misstrauisch beäugt und fängt ganz bei Null an. Ähnlich ist es bei der Presse. Wir müssen uns erst beweisen, damit auch unsere Autor*innen die Chance bekommen, die sie verdienen. Wir haben bisher für unsere Titel viel Aufmerksamkeit bekommen, dafür haben wir hart gearbeitet, und es ist nichts, worauf wir uns ausruhen können. Von Anfang an war klar, dass wir einen langen Atem brauchen und finanziell vorsichtig planen müssen. Wir haben tatsächlich mit 0 Euro Fremdkapital angefangen und mit eigener Arbeitskraft alles aufgebaut. Wir haben Kraft und Ausdauer und Durchhaltevermögen eingesetzt. Aus all diesen Gründen suchen und finden wir Texte, die uns selbst begeistern und hinter denen wir stehen.

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